Geschichte der Kirche – 3
erschienen in: Heft 5+6/2020 und 1/2021
Die Geschichte der Kirche zu Wittgensdorf
Ein Beitrag zur Ortsgeschichte
Im dritten Teil unseres Beitrages befassen wir uns, wie schon im Teil 1 erwähnt, mit dem Zeitraum von 1901 bis 1945. Wir kommen hier in eine Zeit, welche für Deutschland Umbrüche in einer Größenordnung brachten, die eigentlich nahezu unvorstellbar waren und noch sind. War noch die Zeit von 1900 bis 1914 zum Ausbruch des 1. Weltkrieges geprägt von wirtschaftlichem Aufschwung und relativen Wohlstand, musste die deutsche Bevölkerung von 1918 bis 1945 vom verlorenen Krieg über die Inflation, die Weltwirtschaftskrise, den relativen Aufschwung von 1933 bis 1939 und den 2. Weltkrieg durch tiefe Täler menschlicher Schicksale und Entbehrungen gehen. Unter Beachtung aller dieser Ereignisse müssen und wollen wir auch die damalige Geschichte unserer Kirche betrachten und aufzeigen. Dabei steht uns eine Fülle von Material zur Verfügung, so dass wir uns vorerst auf die wichtigsten und aussagekräftigsten Ereignisse beschränken werden.
1901
Das Jahr 1901 brachte zu dem vor zwei Jahren gegründeten und unter Leitung der Hilfsgeistlichen Sorge und dann Mannschatz stehenden Jünglingsverein nun auch den von der Gemeindeschwester Anna Pabst gegründeten und geleiteten Jungfrauenverein, aus dem sich noch ein Tabeaverein gebildet hat, dessen Mitglieder im Schwesterheim für arme Kranke nähten, während der Jungfrauenverein selbst abwechselnd Sonntags mit dem Jünglingsverein aller 14 Tage in dem Lokal des letzteren tagt, welches zugleich auch für die Übungen des Kirchenchor dient.
1902
Am 12. Januar 1902 schied der Hilfsgeistliche Mannschatz aus seinem hiesigen Amt, um als Diakonus nach Hainichen zu gehen. Sein Nachfolger wurde der 46-jährige Johann Gottlieb August Böhme, bis dahin Lehrer an der Volksschule in Auerbach i. V., der am 16. Februar durch Superintendenten Fischer, Chemnitz - Schloß unter Assistenz des Pfarrer Leuner, Glösa und des Ortspfarrers ordiniert wurde. Böhme musste allerdings wegen sittlich anstößigem Benehmen vom Hohen Landeskonsistorium mit dem 30. November, ohne eine Abschiedspredigt halten zu dürfen, und ohne weitere Anstellung im kirchlichen Hilfsdienst zu finden, abberufen werden. An seiner Stelle wurde am 3. Adventssonntag durch Superintendent Fischer und unter Assistenz seines Vaters (Pfarrer Müller aus Leipzig Reudnitz) sowie des Ortspfarrers der Cnd. Rev. min. Otto Adolf Müller geb. 1876 in Freiberg, als Hilfsgeistlicher ordiniert und eingewiesen.


Am 15. Dezember starb in Burgstädt der vormalige Pfarrer der hiesigen Parochie, August Heinrich Lohmann, der Nestor der Landesgeistlichkeit, im 95. Lebensjahr. Die Beerdigung fand am 18. Dezember auf dem Friedhof in Burgstädt statt. Zu Ehren seines Gedächtnisses fand hier während der Beerdigung einstündiges Trauerläuten statt. Auch wurde aus der Kirchgemeindekasse ein kostbarer Sargschmuck beschafft.
1903
Am 1. Osterfeiertag 1903 wurde ein neuer Abendmahlskelch geweiht. Dieser wurde von den Kindern des in Burgstädt verstorbenen Pfarrer Emeritus Lohmann der Kirche gewidmet. Es ist der Pokal, den seinerzeit Pfarrer Lohmann bei seinem Ortsjubiläum (1883) von Gemeinderat und Kirchenvorstand geschenkt erhalten hatte, der aber, unter Weglassung des Deckels, wenn er auch nicht im kirchlichem Stil gehalten ist, doch als Kelch benutzbar ist. In den Tagen vor und nach Rogate (Fünfter Sonntag nach Ostern) wurden die neuen, von der Firma Schulze & Stokinger, Leipzig gelieferten Kirchenfenster eingesetzt. Das Altarfenster für 570 M (ohne Montage) hat Herr Kommerzienrat Louis Hermsdorf, Besitzer der großen Fabrik nahe dem Bahnhof Unterwittgensdorf, gestiftet. Weitere Beiträge in Höhe von 250, bzw. 200 u. 200 M haben die Herren Bleichereibesitzer Böhme, Ihle, bzw. Fabrikbesitzer Reinhold Häberle u. Rich. Steinbach gewährt. Aus der Kirchkasse waren noch 799,60 M zu entnehmen. Hinzu kommen noch die nötigen Maurer- und Zimmerarbeiten, ein geringer Posten Transportkosten sowie die Kosten für Reinigung der Kirche von dem vielen Staub und Schmutz, der besonders durch das Ausmeißeln der Fenstergewände und -stöcke zum Einfügen der Eisenschienen verursacht wurden. Eine Folge der Einsetzung der neuen Fenster aber war, dass auch das Innere der Kirche (abgesehen von der Decke und den Bänken) durch Maler Böhme erneuert werden musste., da die schmutzigen und verstaubten Wände der Kirche zu sehr abstachen.
1904
Am 26. Januar 1904 beschloss der Kirchenvorstand die seit nahezu 8 Jahren bestehende Hilfsgeistlichenstelle, um deren häufigen, für die Gemeinde nicht vorteilhaften Wechsel in der zweiten Geistlichenstelle vorzubeugen, und den jetzigen trefflichen und hervorragend begabten Hilfsgeistlichen der Gemeinde noch eine Reihe von Jahren zu erhalten, vom 1. Oktober an in ein Diakonat zu verwandeln (mit 2400 M [Minimal] Gehalt und 400 M Wohnungsentschädigung). Dieser Beschluss fand zwar infolge künstlicher Agitation viel Feindschaft und Widerspruch, erhielt aber die Zustimmung des Landeskonsistoriums, welches auf die nächsten zwei Jahre je 1000 M und sodann auf drei Jahre je 800 M Staatsbeihilfe zusicherte.
1905
Bei einem von der Königlichen Amtshauptmannschaft angesetzten Termin wurde der Verkauf
des ganzen Pfarrgutes (mit Ausnahme der Parzelle 328, welche die Gebäude u. Obstgärten umfasst) an den Fabrikbesitzer Häberle für 80.000 M zuzüglich 1.250 M Entschädigung für den Bebauungsplan über das Pfarrlehn zum 1. April 1905 vereinbart. Wenn dieser Verkauf die Genehmigung der Behörden findet, wird dem Pfarrer eine große Sorge und Last (die Verpachtung wird immer schwieriger u. der Pachtertrag immer geringer) abgenommen und eine wesentliche Verbesserung seines Einkommens zu Teil werden. Eine kurz vorher vom Pfarrer dem Kirchenvorstand gemachte Offerte, von jedem Arealverkauf je 1/3 der Kaufsumme zum Diakonatbaufonds abzutreten gegen Gewährleistung eines baren Pfarramtseinkommens von jährlich 6000 M (das reine Stelleneinkommen ist z.Z. mit 5947 M 57d katastriert) und gegen Verwaltung des Pfarrlehns durch den Kirchenvorstand – war kurzsichtiger Weise abgelehnt worden. Es ist also lediglich die Schuld des Kirchenvorstandes, wenn aus diesem Arealverkauf der Gemeinde kein weiterer oder wesentlicher Vorteil erwächst.
Nachtrag am Blattrand: Dieser Arealverkauf ist jedoch zweimal vom Landeskonsistorium abgelehnt worden, weil vermutlich der Wert dieses Areal bei der zu erwartenden Entwicklung des Ortes sich später viel höher gestalten wird. (siehe 1906). Der Boden der Pfarrscheune, der fast nicht ohne Lebensgefahr zu betreten war, konnte für 450 M neu gedielt werden. Die restliche Seite des Kirchdaches, sowie West- und Nordseite des
Turmes wurden neu gedeckt, und die Kirche äußerlich neu abgeputzt, wodurch sie nun auch von außen wieder ein freundliches, würdiges Aussehen erlangt hat. Die Kosten beliefen sich bei der Kirche für die Dachreparatur auf zirka 550 M, für Abputz und Anstrich der Kirche (einschließlich der Rittergutskapelle mit ca. 30 M) auf rund 1600 M. Am 2. Oktober wurde der bisherige Hilfsgeistliche Otto Adolf Müller vom Pfarrer als Diakonus eingewiesen. Das Diakonat aber hatte zur Folge, dass infolge unlauterer Agitation eine sehr rege Teilnahme an der Kirchenvorstandswahl, sogar seitens der Sozialdemokraten, zu Stande gebracht wurde, bei der der jetzige Gewalthalter des Ortes, Dr. med. Hachenberger, mit Hilfe seines Hausbesitzervereins und der Sozialdemokraten, die bisherigen Kirchenvorstandsmitglieder heraus- und seine Leute herein (in den Kirchenvorstand) brachte. Die Verpflichtung der Neugewählten fand am 2. Weihnachtsfeiertag statt.
1905 Im Oktober ließ der Gemeinderat, statt die bereits zwei Jahre zuvor beschlossene neue Leichenhalle zu erbauen, die alte Totenhalle noch einmal äußerlich und innerlich erneuern sowie einen hölzernen Geräteschuppen anbauen, der jedoch samt der alten Halle mit Fertigstellung der neuen Halle, deren Bau spätestens am 1. April 1909 zu beginnen hat, abgebrochen werden muss. Die denkenden Gemeindeglieder halten die für dieses Provisorium aufgewendeten Kosten an ca. 400 - 500 M für eine Verschwendung. Dr. med. Hachenberger, der jetzige Dorfregent, aber hat auch diese Maßnahme mit seiner Clique durchzusetzen gewusst. Im November zettelte derselbe Dr. H. in Gemeinschaft mit dem Gemeindevorstand Heinsius und dem Krankenwärter Röthing eine große Hetze gegen unsere im Ganzen tüchtige, umsichtige und im Segen wirkende Gemeindeschwester Maria Jakob an, weil sie arge Missstände im Krankenhaus aufgedeckt hatte. Es hätte nicht viel gefehlt, so wäre die Schwester auf die Anklagebank gekommen. Nur durch das Eintreten der beiden Geistlichen wurde sie davor bewahrt.
1906
Am 1. Sonntag nach Trinitatis (17. Juni 1906) hielt der Chemnitzer Kreisverband der Männer- und Jünglingsvereine hier sein Jahresfest. Um 14 Uhr gab es einen Festzug von der Haltestelle Mittelwittgensdorf nach dem Gotteshause unter Choralmusik der Posaunenchöre vom Kirchberg aus. 14:30 Uhr Festgottesdienst mit Predigt des Pfarrer Müller aus Leipzig - Reudnitz (Vater des hiesigen Diakonus); danach Platzmusik der Posaunenchöre vor dem Rathaus; 16:30 Uhr Festversammlung in beiden Gasthöfen mit Vorträgen des Bundespfleger Zacharias, Dresden (in der Sonne) und des Sekretär Herold, Chemnitz (in der Krone); 20:30 Uhr Nachfeier des hiesigen Vereins und einiger Gäste im Vereinslokal. Die Beteiligung der Gemeinde an diesen Veranstaltungen war eine lebhafte.
Infolge anhaltender Kränklichkeit musste die Gemeindeschwester Maria Jakob für längere Zeit Genesung in der Diakonissenanstalt suchen. Damit wurde ihre Abberufung verbunden. Schade, dass diese so tüchtige Kraft durch ihre Unverträglichkeit und Klatschsucht sich schließlich hier unmöglich gemacht hatte. Sie wurde nach 2 monatlicher Pause ersetzt durch Schwester Emma Borrmann. Eine sehr tüchtige und friedliche Schwester der es auch bald gelang, den in der letzten Zeit zurückgegangen Jungfrauenverein wieder etwas in die Höhe zu bringen.
Der Verkauf des Pfarrlehns (ausschließlich der Parzelle N. 328, Gebäude, Hofraum u. Obstgärten enthaltend) an den Fabrikbesitzer Häberle für 80.000 M + 1.250 M Entschädigung für den Bebauungsplan wurde am 27. August beim einem Gerichtstermin im Rathaus vollzogen. Die Kaufsumme wurde teils in 4% Grundrentenbriefen (46.400 M), teils in 3¾% Pfandbriefen (33.600 M) der Grundrenten- und Hypothekenanstalt der Stadt Dresden angelegt. Statt 1.577,80 M Pachtgelder an den verkauften Flurparzellen gibt es nunmehr 3.116 M Couponszinsen zu vereinnahmen. Auch fällt die 180,04 M jährlich betragende Landeskulturrente (für die 1900 erfolgte Drainage) weg, die der neue Besitzer zu übernehmen hat. Demnach erwächst ein Mehreinkommen von 1.700 M, das je zur Hälfte dem Pfarrer u. dem nunmehr zu bildenden Diakonatsvermögen (jährlich 840 M, fällig in ¼ jährlichen Raten á 240 M zu jedem Zinstermin)
zu Gute kommt. Im November stellte der Kirchenvorstand in zwei Sitzungen in größter Einmütigkeit eine neue Gebührenordnung u. eine neue Kirchhofsordnung auf. Die erstere betrifft die kirchliche Handlungen und wurde so gestaltet, dass es keine Trauungs- und Beerdigungsklassen mehr gibt, sondern dass die einzelne Handlung, die in der allereinfachsten Weise unentgeltlich gewährt wird, beziehungsweise der nicht wesentlichen Momente in ihre einzelne Bestandteile zerlegt wird, z. B. Geläute (vor, zur u. nach der Beerdigung), Gesang (von Chorälen u. bez. Arien), Reden, Musik usw. und dass jeder Interessent sich nun nach dem Tarif für diese einzelnen Bestandteile selbst auswählen und zusammenstellen kann, was alles bei der Handlung geschehen soll. Die Sätze sind so bemessen, dass ein Mehreinkommen zu erwarten ist. Bemerkung mit Bleistift am Blattrand: eine Erwartung, die sich reichlich erfüllt hat. Sie gelten aber nur für die Parochianen (Angehörige der Kirchgemeinde), Nichtparochianen zahlen die doppelten Beträge.
Am 26.Mai fand das Gustav-Adolph-Fest nach mehr als zwanzigjähriger Pause hier statt. Es verlief in folgender Weise: 14:30 Uhr Festgottesdienst mit Predigt des Archidiakon Pfarrer Dr. Burkhardt von Chemnitz St. Pauli über den Schluss der Trinitatisepistel Römer 11,36: „von ihm, durch ihn, zu ihm auch das Gustav Adolph Werk: a.) von ihm, denn seine Liebe will es, b.) durch ihm, denn seine Kraft trägt es, c.) zu ihm, denn zu seiner Ehre gereicht es.“ In überaus gediegener u. packender Weise wurde diese meisterhafte Disposition durchgeführt.– Hierauf 16:30 Uhr Nachversammlung im nahen unteren Gasthof (zur Krone). Die Begrüßungsworte sprach der Vizevorsitzende, mein Freund Prof. Dr. Krüger vom Königlichen Gymnasium in Chemnitz. Weitere fesselnde Ansprachen hielten unser Ephorus Superintendent Fischer (Chemnitz Schloss) und Oberpfarrer Dr. Klötzsch (Chemnitz St Jakobi). Zwischen beiden Ansprachen erstattete der langjährige Schriftführer des Vereins, Pf. Frommhold von Chemnitz St. Petri, mein lieber Bruder, in seiner humor- und gemütvollen Weise den Jahresbericht, bei dem er vom Wirken des Zentralvereinsvorstandes ausging, zum Leipziger Hauptverein überging und mit dem Chemnitzer Zweigverein nebst seinem Mitglied Wittgensdorf schloss. Das Schlusswort sprach der Ortspfarrer. Der treffliche Kirchenchor sang in der Nachversammlung Motetten und bez. Lieder, die allseitigen Beifall fanden. Gemeinsam gesungen wurde von der Versammlung das geistliche Volkslied „Harre meine Seele“ und zum Schluss der erste Vers von „Nun danket alle Gott“, beides unter Posaunenbegleitung, die wir auch schon zu den Liedern im Gottesdienst hatten.
1908
Am 28. Juni feierte der hiesige Militärverein I unter starker Beteiligung der Gemeinde und auswärtiger Vereine sein 50 jähriges Stiftungsfest mit Kirchenparade, Friedhofsfeier (gleich nach beendetem Gottesdienst) und Festakt. Die Predigt und Friedhofsansprache hielt Diakon Pfarrer Weigel, hier, die Festrede Pfarrer Sorge von Schirgiswalde.

1909
Am 25. April wurde das 25jährige Bestehen des am 21. April von C. Salzmann gegründeten Kirchenchores durch einen Festgottesdienst begangen. Der Chor bot zwei Motetten, die vier Kirchenchorsänger die von Anfang an Mitglieder des Chores waren, die Herren Anton Görschler, Richard Irmscher, Bruno und Oskar Polter (siehe vorstehendes Foto) erhielten Anerkennungsurkunden vom Kirchenvorstand und von der Kircheninspektion und je ein Geldgeschenk von 25 M. Der Chorfonds, der auf 91,57 M angewachsen war, wurde dem Leiter, H. C. Weinhold zur freien Verfügung für die jetzigen acht Chorsänger übergeben.
Am 13. Juni vollzog Pfarrer Julius Wilhelm Fromhold die Weihe der an der Chemnitzer Straße errichteten stattlichen Turnhalle unter großer Beteiligung von hier und auswärts. Am 20. Juni hielt ebendieser seine Abschiedspredigt über das vorgeschriebene Ev. (Luk. 14, 1624) mit folgender Disposition: Abschiedsgedanken über das geistl. Amt, wie sie de facto vom großen Abendmahl uns nahegelegt, handelnd: a, von der großen Aufgabe, die es (das geistliche Amt) erfüllen soll; b, von den mancherlei Erfahrungen, die es machen muss und c, von der stillen Hoffnung, mit der es sich tragen (und trösten) darf. Der Kirchenvorstand hatte die Kanzel bekränzen und das Altar schmücken lassen. Der Kirchenchor führte zwei Gesänge auf, vor der Predigt „Du Herr der alles wohl gemacht“, nach derselben „So ziehe hin“ usw. Der Posaunenchor des Männer- und Jüngling Vereins begleitete die Lieder. Der Kirchenvorstand war vollzählig erschienen, die Gemeinde, obwohl viele Glieder glaubten, die Abschiedspredigt werde erst am Sonntag darauf stattfinden, sehr zahlreich, das Patronatsstübchen stand, wie fast immer, leer. Am 25. Juni hielt Pfarrer Fromhold die letzte Kirchenvorstandssitzung, in der er die endlich einen Tag nach der Abschiedspredigt eingegangenen Vorschläge zur Wiederbesetzung des Pfarramts unterbreiteten konnte:
- Diakon Pfarrer Örtel St Pauli Chemnitz,
- Pfarrer Paufler Langenleuba - Oberhain,
- Diakon Pfarrer Schulz St. Markus Dresden - Pieschen.
Bevor jedoch das geschehen konnte, wusste der Herr Kirchen-Patron eine unliebsame Szene hervorzurufen und dadurch auch diese letzte Sitzung zu stören, wie früher schon manche andere.
Am 26. Juni vollzog Pfarrer Fromhold die letzte Trauung und hielt am 27. zum letzten Male Beichte und den Kindergottesdienst.
Wunschgemäß wurde Pfarrer Eugen Georg Schulz aus Radebeul, geb. 1867 in Dresden in das Amt als Nachfolger von Pfarrer Lohmann eingewiesen. Er versah seinen Dienst bis 1933.


Mit diesen Zeilen in den Kirchenakten No. 468 enden die seit 1853 jährlich durch Pfarrer Lohmann (1858 – 1887) und Pfarrer (1887 – 1909) vorgenommenen Eintragungen zu den Ereignissen in Wittgensdorf und seiner Kirchgemeinde.
Im Folgenden stützen wir uns auf die Aufzeichnungen im „Wahrheitszeuge“ von 1905 – 1923, dito aus dem „Wittgensdorfer Wochenblatt“ von 1924 – 1941, dito aus dem kirchlichen Gemeindeblatt „Christusbote“ von 1934 – 1941 sowie auf die Aufzeichnungen aus dem kirchlichen Leben von 1941 – 1959 von Kantor Helbig sowie aus weiteren Quellen und Aufzeichnungen aus dieser Zeit.
1910
Am 1. Januar wird der Großmütterchenverein eingerichtet. Er steht unter dem Motto: Der treue Gott aber, der da verheißen hat: „Ich will dich tragen bis ins Alter“ segne auch dieses Werk, dass es geschehe zu seiner Ehre und zum Heil seiner Gemeinde. Das nachstehende Foto zeigt die Vereinsmitglieder mit Pfarrer Schulz (hintere Reihe – Mitte)

Am Karfreitag fand in der Kirche ein Konzert unter Bezug auf die Palmsonntagsbitte: „Oh komme doch, Herr Jesu, tritt zu uns herein – Karfreitagstrauer – Osterjubel“ statt. Die gesamte Ausführung zeugte von fleißiger Vorbereitung und treuer Arbeit in der Einstudierung der einzelnen Werke. Am 13. April feierte der verdiente und allbeliebter Kantor Weinhold sein 25jähriges Ort- und Amtsjubiläum als Lehrer. Glückwünsche und Dank sprachen aus: Schuldirektor Wienold, Pfarrer Schulz, Gemeindevorstand Heinsius sowie das gesamte Lehrerkollegium. Rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest gab der Kirchenvorstand die Einführung der Christmette am 1. Weihnachtsfeiertag bekannt. Sie beginnt zu früher Stunde um ½ 7 Uhr und soll sich wie in anderen Orten zu einer schönen Tradition entwickeln.
1911
Auf Anordnung der Königlichen Superintendentur sollte am 19. März, am Sonntag Oculi, eine Kirchenvisitation in der Parochie Wittgensdorf stattfinden. Ein „tief bedauerlicher Anlass“,

nämlich der Brand bei der Firma Häberle, erforderte jedoch eine Verschiebung auf den Sonntag nach Ostern – Quasimodogeniti - den 23. April. Der Herr Pastor Weigel hielt die Festpredigt über den für den Sonntag Quasimodogeniti vorgeschriebenen Text: Joh. 20, 19-23. Danach trat der neue Herr Ephorus, Herr Superintendent Jentsch an den Altar und nahm das Wort zu seiner zu Herzen gehenden Visitationsansprache die bei allen Gemeindegliedern eine tiefen Eindruck hinterließen. Nach verschiedenen zur Visitation gehörenden Veranstaltungen versammelten sich die Besucher dieser Unterredungen im Gotteshause zu einem besonderen Gottesdienst. Mit dem Schlusse dieser Unterredung hatte die Kirchenvisitation ihr Ende gefunden. Am 21. Juni feierte der Schuldirektor Wienold sein 25jähriges Amts- und Ortsjubiläum. Er war am 23. Juni 1886 als 1. Schuldirektor für die Schule zu Wittgensdorf feierlich in sein Amt eingewiesen worden. Sein 50jähriges Jubiläum konnte am 19. und 20. November der Frauenverein feiern. Festreden hielten Herr Dr. Hachenberger, Pfarrer Schulz und Kurator Kantor Weinhold, welcher auch einen Bericht über die Geschichte des Vereins gab. Auf Grund einer bei der Kirchenvisitation umgefallenen Kerze, zum Glück ohne Schaden zu verursachen, beschloss der Kirchenvorstand die Einrichtung einer elektrischen Beleuchtung mit der Hoffnung, „am lieben Weihnachtsfeste die Kirche bereits im Glanze des neuen Lichtes zu sehen“. Am 2. Weihnachtsfeiertag würdigte Pfarrer Schulz nach der Predigt den 25jährigen treuen Dienst des Kirchvaters Friedrich Böhme. Der Kirchenvorstand überreichte eine Urkunde und ein Ehrengeschenk als Dank der Kirchgemeinde. Am 13. Mai 1912 brannte das Heim des ev.-luth. Jünglings- und Männervereins an der Burgstädter Straße ab. Durch Entgegenkommen des Hauseigentümers, Herrn Bäckermeister Schramm konnte das Heim am alten Platze wiedererrichtet werden. Schon am 27. Oktober wurde die Weihe des neuen Gebäudes vollzogen.

Am 24.10. wurde Pfarrer Karl Richard Weigel (geb. 13. Oktober 1876 in Lugau, gest. 18. August 1956; Ordination: 04. November 1906 Pfarrer in Hohndorf, Vikar; 1907: 2. Stelle [Diakon, bis 1904 Hilfsgeistlicher] in Wittgensdorf, 10.11.1912 Pfarrer in Erlau, Emeritierung: 1950) aus seinem Amt als 2. Pfarrer in Wittgensdorf und gleichzeitig langjähriger Vorsitzender des ev.-luth. Jünglings- und Männervereins verabschiedet. Pfarrer Schulz und Gemeindevorstand Heinsius sprachen im Namen des Kirchenvorstandes herzlichen Dank und Segenswünsche für sein neues Amt als Pfarrer in Erlau aus.
1913
Ein großer Tag für Wittgensdorf: Am 2. September 1913 besuchte König Friedrich August III. von Sachsen unseren Heimatort. Nach der Begrüßung durch die Honoratioren unseres Heimatortes besichtigte er eine Ausstellung der heimischen Industrie in der Turnhalle an der Chemnitzer Straße. Dabei überreichte Frl. Marie Delling mit einem poetischen Gruß ein Rosenbukett und Frl. Lotte Steinbach überreichte dem König ein Geschenk für die Prinzessinnen. Nach ca. 1stündigem Aufenthalt verließ Friedrich August III. in seinem Auto über das Unterdorf
unseren Heimatort. Mit dem 1. Dezember wird zur Einhaltung der Ordnung bei größeren Beerdigungen, Trauungen, gottesdienstlichen Handlungen (Abendmahlsfeier, Konfirmation) etc. ein Zeremonienmeister berufen. Der Kirchenvorstand hat das bereits mehrfach bewährte Vorstandsmitglied des hiesigen e.-luth. Jünglings- und Männervereins, Herrn Arno Hempel zu diesem Amt auserlesen.
1914
Am Freitag, den 22. Mai besuchten der Herr Superintendent Jentsch und der Herr Amtshauptmann Michel das Pfarrgrundstück. Sie zeichneten gemeinsam mit den Herren des Kirchenvorstandes und des Gemeinderates zwei verdiente Männer der Kirchgemeinde, nämlich den Totenbettmeister Pflugbeil und den Kirchenvater Böhme für ihre treue, jahrzehntelange Arbeit mit der Friedrich August Medaille in Silber aus.


Am 28. Juni 1914 begann mit der Kriegerklärung Österreich-Ungarns an Serbien der 1. Weltkrieg. Im „Wahrheitszeuge“ gibt es einen ersten Hinweis auf diese Katastrophe in der Augustausgabe mit einer Bekanntmachung des Bezirks-Kommandos Chemnitz zur „Schulfürsorge für diejenigen Militärkinder, deren Väter dem Beurlaubtenstande (heute: Reservisten) angehört haben oder nach ausgesprochener Mobilisierung freiwillig in den Dienst getreten sind…“. In der Ausgabe Oktober 1914 wird allerdings schon die erste Anzeige zum „Heldentd fürs Vaterland“ veröffentlicht.

In den darauffolgenden Ausgaben häufen sich diese „Ehrentafeln“ und die Todesanzeigen der Angehörigen. In den jähhrlich veröffentlichten „Kirchlichen Jahresberichten“ wird unter dem Punkt „Auf dem Felde der Ehre gefallen“ schon für 1914 von 21 „braven Gliedern unserer Gemeinde“ berichtet.
1916
Der Kirchenvorstand plant die Anlage die Schaffung einer Anlage zur „Ehrung der fürs Vaterland gestorbenen Helden“ links vom Haupteingang zum Friedhof. Hier wurde am 31. Dezember der Gärtner Friedrich Klemens Selbmann beerdigt. Er wurde im Juli 1915 schwer verwundet und verstarb am 27. Dezember d.J. Für das Jahr 1915 wurden 44 gefallenen Glieder der Gemeinde gezählt. Die Zahl der Kriegsbeteiligten aus Wittgensdorf beläuft sich auf rund 1100 Personen. Am 12. Februar verstarb Pfarrer i.R. Julius Fromhold in Chemnitz. Dadurch angeregt hat ein „hochherziges Gemeindeglied“ das aber gern ungenannt bleiben möchte, 2 Stiftungen ins Leben gerufen – die Pfarrer Lohmann- und die Pfarrer Frommhold – Stiftung – und beide mit je 1000 RM Stiftungskapital ausgestattet. Beide Stiftungen sollen bedürftigen Familien „nach Friedensschluss heimgekehrten Kriegern zufließen“ und später dem Verein für Gemeindepflege im Allgemeinen dienen. In einem Nebensatz im Heft 5/1916 wird erwähnt, dass „Kirchentaufen infolge Einberufung des Pfarrers P. Pürschel zum Kriegsdienst“ nur noch am jeweils 1. Sonntag des Monats stattfinden.


1917
Der Gemeindevorstand, Herr Iwan Heinsius scheidet aus dem Amt aus. In Würdigung seiner Arbeit verleiht ihm Friedrich August III. den Titel eines Kammerrates. Die Herren Amtshauptmann Dr. Fritzsche, Gemeindeältester Kommerzienrat Steinbach, Ökonomierat Stahl, Dr. med. Hachenberger und der Ortspfarrer überbrachten die Glückwünsche in ehrenden und anerkennenden Ansprachen. Am Abend desselben Tages verabschiedete der Frauenverein Frau Heinsius die fast 8 Jahre Vorsitzende des Vereins war. Kantor Weinhold feierte die Scheidende in einer längeren Rede und überreichte im Namen des Vereins einen kostbaren Teppich und eine mit Blumen geschmückte Vase als Ehrengeschenk. Als Nachfolger von Herrn Heinsius wählte der Gemeinderat Herrn Gustav Emil Olzmann, zuletzt Gemeindevorstand in Erlbach/V. Der Nadelfabrikant Bruno Wirth wird in den Kirchenvorstand gewählt. Am 8. Juni 1917 wurde der neue Totenbettmeister, Herr Fiedler vor dem versammelten Kirchenvorstand auf seine Dienstanweisung verpflichtet. Er arbeitet als Totenbettmeister und hat die Aufsicht über den gesamten Friedhof. Ein einschneidendes Ereignis kam auf die Gemeinde im Juli zu. Es heißt von den im Jahr 1885 am Freitag vor der Kirchweih eingeweihten Glocken Abschied zu nehmen. Das nachstehende
Foto zeigt sie vor dem Abtransport zur Sammelstelle nach Schönau bei Chemnitz. Neben dem Wagen steht Kirchenvater Friedrich Böhme, welcher für das Läuten der Glocken verantwortlich war.

Am 24. Juni verabschiedete sich die Gemeinde in einem Gottesdienst von ihnen. Die Gemeinde sang das Glockenlied „Bei der Abnahme der Glocken“ und die Glocken antworteten auf diesen Abschiedsgruß der Gemeinde mit einem feierlichen Abschiedsgeläute zum Schluss des Gottesdienstes. Am Donnerstag den 5. Juli läuteten sie zum letzten Mal, bevor sie am 7. Juli herabgenommen genommen wurden. Am 8. Juli konnten die Kirchgänger sie noch ein letztes Mal besichtigen. Am Morgen des 11. Juli zogen sie fort zur Sammelstelle in Schönau bei Chemnitz. Im Heft Februar 1919 lesen wir noch, dass alle Glocken aus dem Kommunalverband Chemnitz an das Kupferwerk Ilsenburg/Harz abgeliefert und dort zerschlagen und eingeschmolzen wurden.
Mit dem Jahrgang 1917 wurde der Wahrheitszeuge vorübergehend wegen Papiermangel eingestellt. In einer handschriftlichen Bemerkung von Arno Hempel lesen wir:
1919
Ergänzung zum eistellen des Erscheinens u. sonstiger Vorgänge siehe Nummer vom Februar, Mai u. Juni 1919. September 1920
Am 1. Mai starb im Sanatorium in Auer Herr Ökonomierat Rittergutsbesitzer Max Martin Stahl. Die Beerdigung fand am 5. Mai unter außerordentlicher Beteiligung statt. Pfarrer Schulz hielt die Gedächtnisrede nach den Worten 1. Mose 26: „Isaak säete in das Land und erntete hundertfältig, denn der Herr segnete ihn und er wart ein großer Mann“
Mit dem 1.Januar 1919 verlässt Herr Otto Fiedler sein Amt als Totenbettmeister. An seine Stelle tritt Herr Robert Buchold, der am 21. November vom Kirchenvorstand gewählt und verpflichtet wurde. Vom 1. Januar d.J. ist Herr Arno Hempel vom Kirchenvorstand als Kirchenbuchführer angestellt worden. Der „Kirchlichen Jahresbericht“ für das Jahr 1918 verzeichnet für das Jahr 29 Gefallene, insgesamt sind 145 Gefallene des Krieges zu beklagen. Um den unhaltbaren Zustand einer Kirche ohne Glocken zu begegnen wird eine Sammlung für die Beschaffung neuer Glocken veranstaltet. Gleichzeitig wird für eine neue Orgel gesammelt. Diese Sammlung war offensichtlich sehr erfolgreich (in den vorherigen und den nachfolgenden Ausgaben des „Wahrheitszeugen“ wurden lange Aufzählungen der Spender veröffentlicht), so
dass neue Glocken in Auftrag gegeben werden konnten. Wir können deshalb in der Ausgabe folgende Notiz lesen:

1920
In der im Februar des Jahres 1920 erschienenen Ausgabe des „Wahrheitszeugen“ wird im „Bericht über das kirchliche Leben in den Gemeinden im Jahr 1919“ von noch an ihren Verwundungen verstorbenen 9 Gemeindegliedern berichtet. Die Gesamtanzahl der in diesem Krieg gefallenen in der Kirche gemeldeten Wittgensdorfern erhöht sich damit auf 151. Doch auch freudige Nachrichtenbrachte dieses Jahr. Der Verfasser schreibt: „Der 18. März war für die Gemeinde ein glücklicher Tag. Schon frühmorgens brachten zwei Knaben die frohe Botschaft ins Pfarrhaus – die Glocken sind da, wir haben sie auf dem Bahnhof gesehen. Wagen und Pferdegespanne wurden von vielen Helfern bereitgestellt und am Vormittag wurden unter Leitung des Zimmermeisters Naumann die Glocken verladen und zum Vorplatz der Kirche gefahren

Gegen 4 Uhr Nachmittags wurden in einer Feierstund die Glocken geweiht. Pfarrer Schulz gedachte anknüpfend an das Lätarewort Jes. 66.10 „Freuet Euch mit Jerusalem, die ihr mit ihr traurig gewesen seid“ an den traurigen Abschied von den alten Glocken, die 32 Jahre im Dienst der Gemeinde standen. Dank der großen Opferwilligkeit wurde die Neuanschaffung von Glocken ermöglicht, mögen sie als „Friedensgeläut“ einen Weckruf an die Gemeinde, als einen Gottesgruß aus der Höhe willkommen sein. Leider musste der Wahrheitszeuge in seiner Juliausgabe berichten, dass der Kirchenvorstand das neue Geläut beanstandet hatte. Die mittlere Glocke musste wieder herabgenommen und gegen eine neue ausgewechselt werden werden. Jedoch war dieser Tausch nicht zu 100% vom Erfolg gekrönt, den auch danach gab die mittlere Glocke Anlass zu Kritik. Es soll nun ein Glockensachverständiger für ein Gutachten hinzugezogen werden. Offensichtlich hatte diese Aktion Erfolg, denn wir lesen in der Septemberausgabe:

Für den am 1. Mai 1918 in Aue verstorbenen und am 5. Mai beigesetzten Oekonomierat Max Martin Stahl (Rittergutsbesitzer) wurde im September ein eindrucksvolles Grabmal errichtet. Es zeigt einen Landmann mit einer Sense in der Hand beim Mähen. Goldene Sonnenstrahlen versinnbildlichen den Erfolg seiner Arbeit.

Am 18. Dezember wurde das Wittgensdorfer Wasserwerk geweiht. Der Bau begann im Frühjahr 1919. Die Kosten belaufen sich auf bisher 3.500.000 Mark.
1921
Am 23. Januar wurde der brave, ehrenwerte Kirchenvater Friedrich Böhme zur letzten Ruhe gebettet. 35 Jahre hatte er sein Amt in Treue und Gewissenhaftigkeit verwaltet. Seine Obliegenheiten wurden seinem Sohn Max Böhme übertragen. Im „Bericht über das kirchliche Leben in den Gemeinden im Jahr 1920“ wird über 4 weitere Gefallene des Weltkrieges – vermisst, für tot erklärt – berichtet. Die Zahl der Gefallenen erhöht sich auf 155.
Mit der Entlassung der Schulabgänger am 17. März wurde auch der bisherige Direktor Wienold aus seinem Amt verabschiedet. Herr Wienold war seit 1886 an der Schule tätig und erwarb sich große Verdienste um das Schulleben wie z.Bsp. den Schulneubau1988/89. Im Heft Juni 1921 lesen wir im Wahrheitszeugen folgende Anzeige

die schon im August durch die Darauffolgende ergänzt wurde:

Und schon die Ausgabe September 1921 informiert über umfangreichen Bau- und Malerarbeiten welche mit Sicherheit im Zusammenhang mit der neuen Orgel stehen. In ausführlichen Beiträgen werden die einzelnen Arbeiten sowie die Farbgebung der Emporen, der Decke usw. beschrieben.
Im Anschluss an die Predigt im Hauptgottesdienst am Totensonntag wurden von Pfarrer Schulz die Gedächtnistafeln für die im Weltkrieg Gefallenen geweiht. Auf schwarzem Grund sind in goldener Schrift mehr als 200 Namen verzeichnet.
Der 1. Advent war für die Kirchfahrt ein festlicher Tag. Er galt der Weihe der Orgel, die mit einem Aufwand von 185.000 M als Ehrenmal zum Gedächtnis an die im Weltkrieg gebliebenen gestiftet worden ist. Im Hauptgottesdienst übergab Herr Fabrikbesitzer Paul Ewald Steinbach im Namen aller Stifter durch Stiftungsurkunde das von Gebrüder Jehmlich, Dresden, erbaute Werk der Kirchgemeinde.
Gedenktafel an der Orgel


Am Nachmittag versammelte sich die Gemeinde zu einem festlichen Orgelkonzert mit vielen bekannten Solisten sowie dem auf 75 Mitwirkende großen Kirchenchor. Den Abschluss des Tages stellte der Festabend im großen Saal des Gasthauses Krone mit Festansprachen, Chor- und Einzelgesängen sowie Vorträge auf dem Blühtner-Flügel und einem Singspiel dar. In der Februarausgabe dankte der Kirchenvorstand der Gemeinde für die erwiesene Hilfe, musste allerdings auch auf einen doch recht beträchtlichen noch offenen Betrag hinweisen.

Am 23. Mai feierte Pfarrer Schulz sein 25jähriges Jubiläum im kirchlichen Amte. 1897 in der Markuskirche in Dredsen-Pieschen eingewiesen, gehört er seit 1909 zu unserer Kirchgemeinde. Die Herren Oberkirchenrat Jentsch, Chemnitz, Gemeindevorstand Olzmann, Pfarrer Pürschel sowie Pfarrer Müller, Reichenhain sprachen Glückwünsche aus und übergaben Jubiläumsgaben. Vereine und Körperschaften brachten Sangesgrüße und Posaunenmusik.
1923
Auf sein 20jähriges Bestehen konnte der Posaunenchor des Ev. Männer- und Jungmännervereins zurückblicken. Unter der Leitung des damaligen Herrn P.Müller wurde er im Juni 1903 gegründet. Die Landeskirchliche Gemeinschaft feierte am 15. Juli ihren Einzug in ihr neues Heim an der Chemnitzer Straße in den Fabrikräumen des Herrn Fabrikbesitzers Weinrich. Pfarrer Schulz überbrachte im Anschluss an Jes. 35.6. 7. die Glückwünsche des Kirchenvorstandes. Herr Semmler, Chemnitz, hielt auf Grund von Luc. 19, 1-20 die Weiherede. Weiter sind für das Jahr 1923 in der Kirchgemeinde keine herausragenden Ereignisse zu verzeichnen, zumal der „Wahrheitszeuge“ mit der Ausgabe Oktober sein Erscheinen infolge der enormen Inflation sein Erscheinen einstellt. Wurde z.Bsp. in der Ausgabe April 1922 für das Blatt eine freiwillige Gabe von 25 Pf. angemahnt, kostete die Ausgabe März 1923 bereits 25 M pro Stück und die Ausgabe Oktober 1923 war betitelt „Ein Blatt 500.000 Mk., höhere Beiträge erwünscht“.
1924
Nachtrag von Kirchenbuchführer Arno Hempel:
September. 1924
In einem Sonderblatt wird von Seiten des Kirchenvorstandes in ausführlicher Weise ein Bericht über das kirchliche Leben im Jahre 1923 gegeben, dort wird über alles kirchlich Wissenswertes Einblick gegeben; dazu zu vergleichen ein Bericht im Wittgensdorfer Wochenblatt über den Verlauf der Kirchgemeindeversammlung vom 30.9.1924, es heißt dort unter anderem: „Wegen des im Vorjahre in der Inflationszeit nicht mehr erschienen kirchlichen Monatsblattes „Der Wahrheitszeuge“ gab Herr Pfarrer Pürschel eine Darstellung der damaligen und bisherigen Schwierigkeiten und erklärte das von Herrn Schirrmeister neu herausgegebene „Wittgensdorfer Wochenblatt“ als zur Aufnahme kirchlicher Mitteilungen geeignet“
Da das am 1.10.1924 erstmalig erschienene „Wittgensdorfer Wochenblatt“ nicht regelmäßig gesammelt wurde, sind interessierende Beiträge von 1924 in einer „Sammelmappe dieser Vorkommnisse“ hinterlegt worden.
1925
Das „Wittgensdorfer Wochenblatt“ ist vorhanden mit den Exemplaren:
- 18. Juli bis 31. Dezember 1925
- Ab 1926 bis 1941
Infolge der Zeitverhältnisse musste das Erscheinen eingestellt werden (Vermerk A. Hempel)
In unseren nachfolgenden Ausführungen stützen wir uns auf drei Publikationen, nämlich
- Wittgensdorfer Wochenblatt 1925 – 1941
- Kirchliches Gemeindeblatt „Christusbote“ 1934 – 1941
- Aus dem Kirchlichen Leben, aufgezeichnet von Kantor Helbig 1941 – 1959
Allerdings muss bemerkt werden, dass die Aufzeichnungen im WWB zu den Kirchlichen Ereignissen doch recht spärlich sind. Wir müssen deshalb um Nachsicht ersuchen, wenn in unserer Aufzählung teilweise erhebliche Lücken klaffen.
1927
In der Ausgabe März 1927 des WWB ruft ein „Vorbereitender Ausschuss“ zur Errichtung eines öffentlichen Ehrenmales für die Toten des Weltkrieges auf.
1928
Am Sonnabend, den 24. November fand die Weihe des neuen Verwaltungsgebäudes der hiesigen Allgemeinen Ortskrankenkasse statt.

Auf einer Festveranstaltung im Gasthaus „Krone“ überbrachten die Herren Amtshauptmann Jungnickel, Bürgermeister Müller sowie Regierungsamtmann Bernhardt ihre Glückwünsche und überreichten mit den besten Wünschen wertvolle Einzugsgeschenke.
1930
Am 1. Oktober d.J. trat der beliebte Pfarrer Martin Rudolf Wischner, geb. 26.08.1904 in Leipzig, seinen Dienst als 2. Pfarrer in Wittgensdorf an. Nachstehendes Foto zeigt Pfarrer Wischner, links mit Krbf. Arno Hempel.


1931
Seit dem 06.Dezember d.J. wurde der Totenbettmeister Robert Buchold vermisst. Er konnte von den Kameraden der FFW im oberen Steinbruch nach „längeren gefährlichen Anstrengungen“ geborgen werden.
1932
Am 12. Juni feierte der Begräbnissverein sein 50jähriges Jubiläum. Der Verein übernahm mit seinen Mitgliedern die Überführung der Verstorbenen in den Friedhof durch Sargträger und Leichenwagen, Ausstattung und Dekoration in der Leichenhalle. Anlässlich des Jubiläums wurde die Idee, einen „Blumenwagen“ zur Überführung der Blumengaben vom Trauerort zur Begräbnisstätte anzuschaffen in die Tat umgesetzt. Die Spezialfirma Hennig aus Döbeln, welche 1882 auch schon den Bau und die Lieferung des Leichenwagens realisierte, erhielt den Auftrag, welchen sie zur vollsten Zufriedenheit realisierte. (Anmerkung Nier: Beide Wagen waren auch in den 1950er Jahren noch in Benutzung, der sog. „Leichenwagen“ verursachte bei seiner Begegnung immer einen leichten Grusel bei uns Kindern.) Ebenfalls im Juni d.J. eröffnete Max Koch nach umfangreicher Renovierung sein Lokal „Felsenkeller“. Sein Lokal diente jahrzehntelang Hochzeits-, Kindtaufs-, Konfirmations- aber auch Beerdigungsgesellschaften als Feierstätte zum jeweiligen Anlass.
1933
Mit der Machtergreifung der NSDAP durch die Ernennung von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 begann die Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Organisationen, darunter auch die der Evangelischen Kirche. Das Wittgensdorfer Wochenblatt veröffentlicht dazu „Die 28 Thesen der sächsischen
Volkskirche zum inneren Aufbau der Deutschen Evangelischen Kirche“. In bezeichnender Weise hat diese Thesen die sog. „braune Synode“ der „sächsischen Volkskirche“ gebilligt. Diese Thesen sollen die Richtlinien der sächsischen Kirchenregierung für ihre Arbeit in der Vergangenheit und Zukunft enthalten. (Das Dokument kann bei Interesse vom Verfasser des Artikels bezogen werden). In nachfolgenden Artikeln wird die Wittgensdorfer Bevölkerung sukzessive auf die weiteren Veränderungen eingestimmt. Am 12. August berichtet das WWB von der Auflösung des MännerJungmännervereins am 12. Juni. Der Verein wird in „Christliches Jungvolk“ und „Christliche Jungmannschaft“ umgebildet. Die Posaunenchöre werden aufgelöst und unterstehen den Pfarrämtern als sog. „freie Arbeitsgruppen“. Der Männerverein wird aufgelöst, die Mitgliedschaft für Vereinsmitglieder über 24 Jahre ist „erledigt“. Weitere Artikel befassen sich mit dem „Evan. Jungmännerwerk“ und mit dem Verhältnis von der sog. „Hitler-Jugend“ und Evangelischer Jugend. Einen Höhepunkt für die sächsische Volkskirche bildete die sog. „Hohensteiner Konferenz“ am 19. Juni 1933. Hier trafen sich zahlreiche Kirchenvertreter – Geistliche und Laien - aus den Kirchenbezirken Chemnitz-Stadt und -Land, Glauchau, Stollberg, Rochlitz, Schneeberg und Zwickau. Den Höhepunkt bildete die einstimmige Annahme einer Entschließung zur weiteren Entwicklung der sächs. evang. Kirche.

Anfang Dezember d.J. verabschiedete sich Pfarrer Eugen Georg Schulz von seiner Gemeinde mit einer bewegenden Abschiedspredigt. Er hatte sein Amt nahezu 24 Jahre bekleidet und verabschiedete sich auf einer Abschiedsfeier im Gasthaus „Krone“ am 4. Dezember mit dem Dank an die Gemeinde: „Unser liebes Wittgensdorf wird in unseren Erinnerungen einen Ehrenplatz haben, einen Platz der Liebe“. Der Verfasser des Artikels schließt mit den Worten: „So möge denn Gott den von uns scheidenden Pfarrer weiterhin geleiten und ihm einen frohen, gesunden und gesegneten Lebensabend zuteil werden lassen“. Die nun freie Stelle als 1. Pfarrer wird von Christian Günter Karl Göbel (geb. 14.01.1907 in Böhlitz bei Wurzen, gest. 21.04.1986) als Vikar besetzt.


1934
Mitte Februar d. J. stand der Kirchgemeinde schon wieder ein Abschied ins Haus.Der allseits be- und geliebte Kantor Weinhold verabschiedete sich nach 40jährigen treuen Diensten in den verdienten Ruhestand. Nach einem Abschiedsgottesdienst gab es im Gasthof „Sonne“ noch eine besondere Abschiedsfeier zu seinen Ehren. Im WWB lesen wir dazu nachfolgende Zeilen:


Wie schon o.a. wurde nach 1933 die Einfluss der regierenden NSDAP auf die gesellschaftlichen Bereiche immer mehr ausgedehnt. Die macht sich auch in der Sprache der Berichterstattung zu interessierenden Ereignissen bemerkbar. Nachstehender Auszug aus dem WWB vom 25.4.1934 soll uns dazu als Beispiel dienen:

Im WWB vom 28.4.1934 lesen wir nachstehende Zeilen:

Besitzer des Rittergutes und gleichzeitig Patronatsherr war zu dieser Zeit der Fabrikbesitzer Escher aus Chemnitz. Schon in diesem Jahr verließ Pfarrer C.G. Karl Göbel die Kirchgemeinde und ging als Vikar nach Kleinolbersdorf. An seine Stelle trat als 1. Pfarrer Walter Emil Karl Schulz, geb. 20.6.1895 in Leipzig, verst. 12.4.1978.


Mit dem 1. Oktober erscheint das Kirchliche Gemeindeblatt „Christusbote“. Leider stehen uns hieraus nur von Krbf. Arno Hempel verfasste stichwortartige Auszüge zur Verfügung. So wird eine Ansprache des „Reichsbischoffs“ in der Ausgabe vom 1.11.1934 erwähnt. Eingewiesen als Kantor wurde 1934 Joh. Willy Fritz Hartenstein, geb. 1902 in Frankenberg


1935
Nachdem Pfarrer W.E. Karl Schulz Wittgensdorf verlassen und nach Riesa gegangen war wurde Pfarrer Wischner, der 1932 von Wittensdorf nach Falkenau gegangen war, am 5. Juli d.J. auf die 1. Pfarrstelle in unsere Kirchgemeinde eingewiesen. „Christusbote“ vom 1. August: Dank und Gegengruß durch Pfarrer Wischner
Am 5. Oktober d.J. lesen wir im WWB folgenden Artikel:

1936
Am 25.01.1936 lesen wir im WWB folgende Anzeige:

Auch hier sehen wir wieder die immer enger werdende Verbindung der führenden NSDAP mit der Sächischen Evangelischen Volkskirche.
„Christusbote“ Ausgabe Juni: Verabschiedung Kantor Hartenstein, Einführung Kantor Helbig, geb. 6.7.1893 in Reichgenbach V., verst. 19.11.1963


Ebenfalls wurde eingewiesen Wilhelm Joh. Leonhard Blumer, geb. 1912 in Reval, heute: Tallinn als Hilfsgeistlicher, gest. 23. Januar 1984 in Südafrika


Am 22.08. d.J. wird erstmalig im WWB indirekt auf einen kommenden Krieg Bezug genommen. In einer Nachricht wird von einer Verdunklungsübung im Zusammenhang mit einer in Mitteldeutschland stattgefundenen Luftwaffenübung berichtet. Für Wittgensdorf war es das erste Mal, dass solch eine behördlich angeordnete Übung der Verdunkelung gegen Luftangriffe vorgenommen wurde. In der Ausgabe 06.01.1937 berichtete die WWB über den am 19.8. begonnenen und am 04. 11. 1936 eingeweihten Bau der „Filmschau – Lichtspiele“. In markigen Worten wurde über den Bau berichtet und die damit erreichten „Fortschritte bei der Durchsetzung der Ziele der nationalsozialialistischen Kulturpolitik“ dargestellt.
1937
„Christusbote“ Ausgabe Mai: Bericht über den Verlauf der Kirchenvisitation, Ausgabe November: Stiftung des Herrn Fabrikbesitzers Dr. Reinhard Häberle eines Altars für die Friedhofskapelle Ausgabe Dezember: Stiftung des Herrn Fabrikbesitzers Eugen Steinbach einer Altar- und Kanzel- bekleidung in Weiß
In der Ausgabe vom 11.12. d.J. lesen wir folgenden Beitrag (Auszug)

Wittgensdorf verliert mit Richard Steinbach einen verdienstvollen Bürger, der sich in nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens im Ort mit Rat und Tat für die Gemeinde und ihre Bürger eingesetzt hat. „Christusbote“Ausgabe Dezember: Der von Dr. R. Häberle gestiftete Altar für die Friedhofskapelle wird geweiht.
1938
„Christusbote“ Ausgabe Januar: Pastor Blumer verlässt Wittgensdorf mit einer Abschiedspredigt und geht im Juni nach Ost-Afrika als Missionar. Nach Beginn des II.WK wurde er interniert. In der Maiausgabe berichtet der Christusbote von einer Kantatefeier des Kirchenchorverbandes in Wittgensdorf.
1939
Die Familie des Herrn Fabrikbesitzers Rudolf Röser stiftet einen neuen Altarteppich. Im Mai d.J. wird von einem Kandidat Wehlmann als Pfarrvikar berichtet. Im Juni feiert Kirchensekretär Arno Hempel sein 20jähriges Jubiläum. Am 1. September 1939 begann in Europa der II. Weltkrieg mit dem von Hitler befohlenen Überfall auf Polen. In der Novemberausgabe berichtet der „Christusbote“ über Heimat- und Feldpostbriefe und gibt diese in Auszügen wieder.
1940
Pfarrvikar Wehlmann wird im Februar zum Kriegsdienst eingezogen. Im Mai d.J. verstirbt der beliebte Schuldirektor i.R. Karl Hermann Wienold. Im WWB erscheint in der Ausgabe am 31. Mai 1940 die erste Todesanzeige eines gefallenen Wittgensdorfer Einwohners

In der Oktoberausgabe berichtet der „Christusbote“ über die Ordination des Pastors Wehlmann und in der darauffolgenden Ausgabe über seine Amtsweihe.
1941
Mit der Ausgabe Juni 1941 wird das Erscheinen des Christusboten eingestellt. Nun helfen uns Aufzeichnungen „Aus dem Kirchlichen Leben (1941 – 1959)“ von Kantor Helbig weiter. Auch er hat hier stichpunktartig über wichtige Dinge im kirchlichen Leben in Wittgensdorf berichtet.
1941 Am 23. Februar wird das Gemälde „Grablegung Christi“ in der Freidhofskapelle geweiht. Durch Diakon Böttcher erhällt das Leben in der Jungen Gemeinde wieder Aufschwung. Die Männerabteilung wird von Dietrich Röser und die Mädchenabteilung von Frau Pfarrer Wischner geleitet.
1942
Am 24. Dezember führt die Junge Gemeinde ein Krippenspiel auf.
1943
Am 26. Dezember wird Pfarrer Wehlmann als 2. Geislicher eingewiesen
1944
Am 1. April feiert Herr Kirchensekretär Arno Hempel sein 25jähriges Dienstjubiläum. Am 14. Mai wird in Wittgensdorf das Kreismissionsfest gefeiert. Die Einweihung des Ehrenraumes in der Kirche in der ehem. Patonatsloge findet am 16. Juli statt. Die Junge Gemeinde führte am 24. Dezember wieder das Krippenspiel auf.
1945
Wörtliches Zitat Kantor Helbig:
„Der unsägliche Krieg, der die Jahre daher auch für alles Kirchliche Leben große Einschränkungen brachte, geht zu Ende. Im Zuge des Umsturzes ist auch der Kantor von Mitte April bis Ende September ortsabwesend. Gottes Gnade lässt ihm sein Amt fortsetzen.“
Für den 8. Mai 1945 lesen wir in einer „Denkschrift über wichtige Ereignisse die sich in Deutschland und besonders in Wittgensdorf zwischen 1835 und 1946 zugetragen haben“, abgefasst und niedergeschrieben von Pfarrer Rudolf Wischner sowie mitunterzeichnet von Rudolf Wehlmann, 2.Pfarrer, Kurt Helbig, Kantor und den Mitgliedern des Kirchenvorstandes Gustav Ahner, Eberhard Böhme, Otto Friebel, Willy Hans, Curt Steinbach sowie Arno Hempel, Kirchenbuch- und Rechnungsführer folgende Zeilen:
„Am Sonntag, den 8. Mai füllte zum ersten Mal wieder eine andächtige Gemeinde von ca. 600 Menschen unser Gotteshaus“. Zum gleichen Ereignis schrieb uns Frau Ingeborg Ullmann, geb. Böhme, die Tochter des ersten Nachkriegsbürgermeisters Eberhard Böhme die nachstehenden Zeilen: „Besonders zu erwähnen ist, dass zum Kriegsende ein Dankgottesdienst stattfand, an dem auch der amerikanische Kommandant mit dem Bürgermeister und dem vorläufigen Gemeinderat teilnahmen. Das war der erste Gottesdienst nach dem 14. April. Die Kirche war übervoll und die Menschenwaren froh über den Verlauf der letzten Kriegstage. Mit viel innerer Anteilnahme haben die Menschen an diesem Gottesdienst teilgenommen. Die Predigt hielt Herr Pfarrer Wischner“.
- 1. Juli 1945 10jähriges Ortsjubiläum des Herrn Pfarrer Wischner. Ab Oktober übernimmt die Kirche den Religionsunterricht / Christenlehre; er wird erteilt erst in den Oberklassen vom Kantor, dann auch in den Mittelklassen noch von Oberlehrer Leutritz, der dann 1949 wegen anhaltender Krankheit die Arbeit aufgeben muss.
- Am 3. Advent wird ein Kirchenmusikalischer Gottesdienst gefeiert.
Mit diesen Worten schließt Kantor Helbig das Jahr 1945 ab und auch wir beenden an dieser Stelle den dritten Teil unserer Kirchengeschichte. Freuen wir uns auf den vierten und damit letzten Teil unseres Beitrages, der mit Sicherheit noch viele interessante Dinge zur Geschichte unserer Kirche vermitteln wird.
Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.